Nach monatelangen Verhandlungen ist es nun also soweit: Die Lufthansa übernimmt die österreichische Fluglinie Austrian Airlines (AUA). AUA wird hierbei als eigene Marke mit einer eigenen Flotte in Wien erhalten bleiben.
Lufthansa erreicht somit ihr Ziel, stärkstes Luftfahrtunternehmen in Europa zu werden. Die trotz der weltweiten Krise in der Luftfahrt bilanziell und operativ sehr gut aufgestellte Lufthansa nutzt die aktuelle Schwäche bei vielen Konkurrenzunternehmen, um sich für die Zukunft noch besser aufzustellen.
Innerhalb von drei Jahren will Lufthansa die AUA aus der Verlustzone herausbringen. Dass Lufthansa dies kann, hat das Unternehmen bereits bei der Übernahme der Schweizer Fluglinie Swiss gezeigt. Hier gelang es auf eindrucksvolle Weise ein defizitäres Unternehmen in die Gewinnzone zu bringen.
Die österreichische Fluggesellschaft hatte in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg von über einer Milliarde Euro eingeflogen und war unter dem starken Druck der rapide steigenden Kerosinpreise in den vergangenen Monaten schwer ins Trudeln geraten.
Für den von der ÖIAG gehaltenen AUA-Staatsanteil von rund 42 Prozent zahlt die LH einen Preis von 366 000 Euro, verspricht aber im Falle einer günstigen wirtschaftlichen Entwicklung der AUA bis zu 162 Millionen Euro nachzuzahlen. Sie übernimmt gleichzeitig aber AUA- Schulden in Höhe von mindestens 500 Millionen Euro und wird für die angestrebte Übernahme von bis zu 100 Prozent der AUA-Aktien über 300 Millionen Euro zahlen. Die Wettbewerbsbehörde der EU muss dem Verkauf noch zustimmen, weil der österreichische Staat 500 Millionen Euro der Gesamtschuldenlast der AUA von mindestens einer Milliarde Euro übernehmen will.
Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber sagte nach dem Vertragsabschluss, die Lufthansa werde mit der Akquisition der AUA jährliche Synergien von 40 Millionen Euro bei den Kosten und 30 Millionen Euro auf der Ertragsseite erzeugen. Auf die Frage nach Entlassungen bei den rund 8000 AUA-Mitarbeitern meinte der gebürtige Österreicher gegenüber der dpa: "Im Moment ist kein Personalabbau vorgesehen. Wir wollen Produktivitätssteigerungen erreichen, ohne Kündigungen durchzuführen." Sollte sich die Rezession aber ausweiten, werde jedoch vermutlich "querbeet restrukturiert" werden müssen.
Lufthansa hat mit der Übernahme der AUA den richtigen Schritt in einer schwierigen Zeit gemacht und baut ihr Mittel- und Osteuropageschäft weiter strategisch klug aus. Langfristig dürfte sich die Übernahme lohnen. An Lufthansa führt in Europa seit heute definitiv kein Weg mehr vorbei.